Ford Edge HySeries: Zwei Alternativen in einem
Montag September 29
Gleich zwei zukunftsträchtige Antriebstechniken in nur einem Fahrzeug vereint der Ford Edge HySeries. Das Öko-SUV ist der Prototyp eines Elektroautos, das seinen Strom sowohl aus der Steckdose als auch über eine bordeigene Brennstoffzelle tanken kann. Mit dieser bisher einmaligen Kombination sticht er aus der mittlerweile stark gewachsenen Zahl der Wasserstoff-Forschungsfahrzeuge heraus. Auf Herz und Nieren getestet wird das Zukunftsmobil zurzeit im Ford Forschungszentrum in Aachen. Zu kaufen ist es aber erst in etlichen Jahren - wenn überhaupt.
Dabei funktioniert der emissionsfreie Allrader schon fast problemlos im Alltag und fährt sich dazu trotz fehlender Feinabstimmung vorzüglich. Nach dem Drehen des Zündschlüssels herrscht - wie in Elektroautos üblich - vom Motor her vollkommene Stille. Nur die Leuchten neben dem Tacho zeigen an, dass die beiden 65 kW/88 PS starken Elektrotriebwerke startklar sind. Eines der Schuhschachtel großen Aggregate treibt die Vorderachse an, das andere die Hinterachse. Gemeinsam bringen sie es auf 129 kW/176 PS Leistung. Viel mehr Einfluss auf das Fahrgefühl hat aber das Drehmoment von insgesamt 460 Nm; die Beschleunigungskraft liegt vom ersten Zentimeter Fahrtweg an und drückt den schweren Fünftürer vehement nach vorn. Bei 140 km/h Spitze ist derzeit aber Schluss.
Die Brennstoffzelle im seitlichen Fahrzeugunterboden ist derweil unbeschäftigt. Anders als bei vielen anderen Wasserstoffautos sorgt sie nicht direkt für die Stromversorgung des Elektromotors, sondern dient nur als Reichweitenverlängerung. Erst bei niedrigem Ladestand der Lithium-Ionen-Traktionsbatterie sorgt sie für Energie-Nachschub, indem sie durch die Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff Strom gewinnt. Als einziges Nebenprodukt fällt dabei Wasser an. Mit dem kleinen Kraftwerk an Bord muss der Edge nicht bereits nach 40 Kilometern zum vierstündigen Ladevorgang an die Steckdose, sondern kommt mit seinem 4,5-Kilo-Wasserstofftank noch einmal 320 Kilometer weit. Durch den reinen Generator-Einsatz kann die Brennstoffzelle kleiner und damit preisgünstiger ausfallen als bei Fahrzeugen, wo sie auch Antriebsarbeit verrichten muss. Trotzdem summieren sich die Kosten der im Prototypen eingesetzten Technik unterm Strich zu mehr als einer Million Euro.
Für den Privatkunden ist das deutlich zuviel. Und die Preissituation wird sich mittelfristig auch nicht ändern. Zur Minderung der Herstellungskosten bräuchte es vor allem größere Stückzahlen. Dem steht aber die immer noch fehlende Wasserstoff-Infrastruktur entgegen; es gibt nur eine Hand voll Tankstellen in Deutschland, und die auch nur aus Imagegründen. Rechnen tun sie sich für die Betreiber nicht. Unklar ist auch, wo der benötigte Wasserstoff herkommen soll, denn seine industrielle Produktion benötigt viel Strom.
Der Ford Edge hat aber einen Joker in der Hinterhand. Denn statt einer Brennstoffzelle könnte auch ein konventioneller Verbrennungsmotor als Generator zum Aufladen der Batterie verwendet werden. Derartige serielle Hybridautos haben verschiedene Hersteller schon für die kommenden zwei, drei Jahre angekündigt. Ford hält sich in dieser Frage aber noch bedeckt. Die nötige Technik ist jedoch vorhanden. Holger Holzer/mid