- spurtstark |
- für einen Sechszylinder sehr rau |
- feinster Allradantrieb |
- stößiges Fahrwerk |
- klare Volvo-Schönheit- innen Platz und Komfort opulent |
- happiger Einstiegspreis- bittere Aufpreisliste |
Navi in Licht und Schatten
Rechts neben dem Lenkrad fährt der Bildschirm des Navigationssystems aus dem Armaturenbrett. Ein wenig schräg neigt er sich zum Fahrer, damit er sich des Nachts nicht in der Windschutzscheibe spiegelt. Macht er zwar doch, aber bei weitem nicht so schlimm wie im kleinen Bruder Volvo S40. In Aktion schlägt das Navi gerne mal Routen vor, bei denen der Allradantrieb wirklich gebraucht wird und beim Eingeben der Adresse lädt das System nach jedem Buchstaben nervig lange rum. Und die Rückfahrt ins Armaturenbrett endet zirka einen Zentimeter, bevor der Bildschirm vollständig versinkt. Der Rahmen des Bildschirms schließt also nie bündig mit dem Armaturenbrett ab wer spontan ins ansonsten so stimmige Auto blickt, den stört das. Allerdings können wir dem Navi wenigstens die Bedienung zugute halten: Die Fingerspitzen gewöhnen sich schnell an die Tasten hinter der Lenkradspeiche, die Hände müssen nicht zur Mittelkonsole greifen.
SMS klärt auf
Die Armaturen an sich sind in einem metallischen Ton gehalten, wobei die Zeiger irritierende Schatten aufs Zahlenrund werfen. Außerdem schickt der Schwede ab und zu einen kleinen Hinweis raus: Sie haben eine neue Mitteilung steht in der Mitte des Tachos. Zur Meldung durchgeklickt erscheint dann: Gurte im Fond werden nicht benutzt. Da sind wir froh drüber schließlich sitzt hinten gerade keiner. In Sachen Außenspiegel-Anklappen hat Volvo gut mitgedacht: Verriegelt man den Wagen, klappen die Spiegel automatisch an, nicht vorher. Beim Lexus IS legen sich die Außenspiegel bereits beim Ausschalten des Motors an und man kann beim Aussteigen nicht mehr auf einen hilfreichen Blick in den Spiegel zurückgreifen. Hier ist das Volvo-System deutlich überlegen.
Fünf auf Reisen
Platz? Für die Raumverhältnisse stand anscheinend Volvos Heimatland Schweden Pate: Vorne wie hinten gibt es selbst für große Mitbürger nichts zu meckern. Auch wenn hinten drei Leute sitzen müssen, sind auch für den Mittelmann Fahrten von über einer Stunde Dauer noch ganz erträglich. Er muss nur bereit sein, die Füße rechts und links vom Mitteltunnel einzusortieren. Die Übersichtlichkeit leidet ein wenig unter den breiten C-Säulen und das bei einem Hersteller, der schon mit Studien von durchbrochenen A- und C-Säulen auf sich aufmerksam gemacht hat. Aber Kopffreiheit genießt derjenige, der neben der C-Säule sitzt, ohne Ende. Hinten ist nach oben hin sogar mehr Platz als vorne, was die Außenform des Wagens nicht vermuten lässt.
Kopfsteinpflaster ist selten
In irgendeiner Wohngegend in Berlin-Pankow: Kopfsteinpflaster glänzt im Straßenlicht, es sind zirka null Grad Celsius. Ein kräftiger Tritt aufs Gas und der Wagen fährt los, ohne dass die Räder durchdrehen. Der Allradantrieb scheint für hervorragenden Grip zu sorgen. Im Volvo S80 mit T6-Motor ist er neu. Ein System vom schwedischen Kupplungs- und Allradspezialisten Haldex sorgt für eine optimale Aufteilung der Kraft: Eine elektronisch geregelte Hydraulikkupplung verschiebt Kraft auf die Hinterräder, wenn die Vorderräder Grip verlieren. In der Stadt funktioniert das unmerklich und sanft, sodass wir jederzeit extrem sicher unterwegs sind. Aber die Federung mag Kopfsteinpflaster gar nicht. Der Wagen stuckert heftig, hinzu kommt ein nicht klar einzugrenzendes Klappergeräusch aus dem Bereich des Rückspiegels.
130 km/h für den Komfort
Auf Landstraße und Autobahn macht sich der S80 gut, wobei er bis 130 km/h absolut sanft wirkt. Wird es schneller, wankt der Wagen auch in langen Autobahnkurven und eine flinke enge Kurve auf der Landstraße ist auch nicht sein Ding. Der Allradantrieb sorgt zwar stets für ausreichend Traktion, aber die Federung ist insgesamt zu weich. Das Auto kommt aus einem Land, in dem es keine Autobahnen im deutschen Sinne gibt, und das merkt man.
Minus 26 Grad
Auf irgendeinem See in der Nähe des nördlichsten Skigebiets der Welt namens Riksgränsen. Hier fahren die Schweden nachts um 2:00 Uhr Ski, weil es noch hell ist im Juni. Im Januar geht die Sonne um 14:30 Uhr unter und scheint eigentlich den ganzen Tag, also ab 9:00 Uhr, mit dem riesigen Mond um die Wette. Die Welt besteht aus ein bisschen Schnee und irre viel Eis, minus 26 Grad Celsius sind hier Mittagshitze. Die weiße Landschaft wird ab und zu unterbrochen von gelben Flecken im Schnee und uns fällt eine Polarforscherweisheit ein: Dont eat yellow snow. In diesem unwirklichen Teil der Welt rasen wir über den See und versuchen, unseren S80 um einen Slalomkurs zu schlängeln.
Vier im Drift
Beim moderaten Gasgeben schaffen die vier Reifen immer noch, ihren Grip zu bewahren. Gehts ein bisschen beherzter zur Sache, wird vorne heftig durchgedreht, die Kollegen am Heck übernehmen. Der Wagen schiebt sich tatsächlich um den einsamen rotweißen Kegel. Wer knallhart beim Vollgas bleibt, wird vom ESP wieder eingefangen. Also: ESP aus. Sofort ändert sich der Charakter des Wagens, das eisige Kurvenfahren wird anspruchsvoller. Und wer hier einfach nicht locker lässt, kann den Wagen auf der Stelle drehen, bis ihm schwindelig wird was sehr schnell passieren kann. Es ist beeindruckend, wie der S80 bei aktiviertem ESP mit extremer Glätte und dickem Schnee fertig wird. Das Auto kommt aus einem Land, in dem es keinen Winter im deutschen Sinne gibt, hier ist es richtig kalt und hart.
Rauer Turbo
Um den Vortrieb in unserem S80 kümmert sich der 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbo mit 285 PS. Damit hat das Aggregat 47 PS mehr als der 3,2-Liter-Sechszylinder (238 PS) ohne Turboaufladung. Tempo 100 wird in 6,9 Sekunden erreicht, mit 3,2-Liter-Motor braucht der Wagen 8,2 Sekunden Welten im Bereich Beschleunigung. Kein Wunder: Der Große ohne Turbo legt 320 Newtonmeter, der Kleinere mit Turbo 400 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle. Bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt, der hubraumgrößere Motor kommt auf 235 km/h. Im Schnitt schluckt das Triebwerk 11,2 Liter auf 100 Kilometer, der 3,2-Liter begnügt sich hier mit 10,7 Liter. In der Praxis zieht der Wagen spürbar an, aber das Aggregat wirkt recht rau. Von den Volvo-Fünfzylinder-Motoren sind wir das gewohnt, aber von einem Sechszylinder? Dafür scheint der Turbolader verantwortlich zu sein.
Natürliches Schalten
Zum serienmäßig verbauten Allradantrieb gesellt sich eine serienmäßige Sechsgangautomatik. Diese schaltet beinahe so, wie man es als Mensch auch machen würde: im ruhig fließenden Verkehr bei zirka 3.000 U/min, beim harten Beschleunigen erst nahe des roten Bereichs, der bei 7.000 U/min beginnt. Die Automatik taugt was und sie wäre sogar für eine sportliche Fahrweise geeignet.
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