Mazda3: In Ruhe gereift
Leiser, komfortabler, sicherer und sparsamer. So lautet die Erfolgsformel des frisch überarbeiteten Mazda3. Die Optik wurde dagegen kaum angetastet. Zum Glück gilt das auch für die Preise: Der Fünftürer startet bei 15.400 Euro.
Innere WerteEin Facelift ist oftmals pure Effekthascherei. Nicht so beim Mazda3. Der japanische Wettbewerber von Golf, Astra und Focus wurde optisch kaum verändert. Man wollte offensichtlich nicht zuviel riskieren, schließlich geht es um das wichtigste Modell des japanischen Herstellers. In Europa ist jeder dritte Mazda ein 3er. Die deutsche Kundschaft bevorzugt den Fünftürer (84 Prozent), bei den Motoren führt der 1,6-Liter-Benziner (71 Prozent). Insgesamt stehen drei Benzinermotoren, ein Turbodiesel, zwei Karosserievarianten und vier Ausstattungsvarianten zur Wahl.
Feinschliff im DetailDie Verbesserungen stecken unter dem Blech, sagt Mazda. Also los, die Testwagen warten am Flughafen Cagliari auf Sardinien. Optisch gibt es tatsächlich wenig Neues zu vermelden: Stoßfänger und Alufelgen in neuem Design sowie schwarz eingefasste Rückleuchten. Mit einer knallroten Lackierung sieht das richtig schick aus. Der Kofferraumdeckel des Viertürers verfügt erstmals über eine Griffmulde. Zudem wurde der Stauraum so ausgeformt, dass nun bis zu drei Golftaschen darin verschwinden. Unabhängig von dieser Schickimicki-Maßeinheit ist das auch praktisch, wenn die Familie in den Urlaub fährt. In Sachen Stauraum ist das Stufenheck mit 413 Litern klar im Vorteil: Der Fünftürer fasst gerade einmal 346 Liter, mit umgeklappter Rückbank sind es 1.285 Liter. Sitzprobe. Innen wirkt der Mazda3 vertraut - und doch irgendwie anders. Dunklere Polster und Kunststoffe sowie die titangraue Mittelkonsole sorgen für ein edleres Erscheinungsbild. Hinter dem längs und in der Höhe justierbaren Lenkrad finde ich schnell eine entspannte Haltung.
Alles drinIch habe mich für den fünftürigen Mazda3 Top 1.6 MZ-CD entscheiden, der mit 22.900 Euro in der Preisliste steht. Hinter der Modellbezeichnung verbirgt sich ein 1,6-Liter-Turbodiesel (109 PS/80 kW) mit Russpartikelfilter und einigem Luxus. Beim Topmodell und dem optionalen Sport-Paket werden die Rundinstrumente von hinten rot durchleuchtet (Optitron-Technik). 17-Zoll-Alufelgen, Xenon-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Tempomat, Licht- und Regensensor gibt es serienmäßig. Doch der Testwagen bietet noch mehr: Lederausstattung, ein schlüsselloses Zugangssystem, ein DVD-Navigationsgerät sowie ein Lautsprechersystem vom Soundspezialisten Bose. Neu im Angebot ist ein Radio mit integrierter Festplatte, die bis zu 3.000 Musikstücke speichert. Wer mit weniger zufrieden ist, wählt den Diesel mit der Basisausstattung Comfort (ab 19.300 Euro). CD-Radio, Zentralverriegelung sowie elektrisch bedienbare Außenspiegel und Fensterheber sind darin genauso enthalten wie sechs Airbags. Das Stabilitätsprogramm DSC kostet allerdings 520 Euro extra.
Flotter LeisetreterDer neue Mazda3 gibt sich wesentlich kultivierter als sein Vorgänger, das steht schon nach wenigen Kilometern fest. Eine verbesserte Dämmung, Feinschliff am Motor und dessen Peripherie sowie eine verstärkte Karosserie und spezielle Leichtlaufreifen schaffen Ruhe. Noch bei Tempo 120 ist der Turbodiesel flüsterleise. Das überarbeitete Fahrwerk tanzt leichtfüßig über das kurvige Asphaltband, das sich durch die Hügel der sardischen Küste schlängelt. Zum Glück bieten die Vordersitze ausreichend Seitenhalt.
Kraftvolle Bremsen und die präzise Lenkung sorgen für Vertrauen. Doch die sichere Straßenlage geht nicht auf Kosten des Komforts. Bodenwellen, Schlaglöcher und Spurrinnen werden sanft geglättet. Das Fahrverhalten ist weitgehend neutral. Selbst zu optimistisch angegangene Kurven werden ohne tückische Reaktionen gemeistert. Und in der größten Not hilft das elektronische Stabilitätsprogramm.
Je nach TemperamentIn der Praxis ist der Turbodiesel eher etwas für die ruhigern Naturen. Denn von bulliger Kraftentfaltung, die einen modernen Selbstzünder normalerweise auszeichnet, ist nur wenig zu spüren. Die Drehzahl senkende Getriebeübersetzung legt den 240 Newtonmeter Drehmoment Zügel an. Wer es flotter mag, muss häufig zum Schalthebel greifen. Mit dem exakt geführten Fünfganggetriebe ist das jedoch eine Freude. Nach einigen abwechslungsreichen Stunden auf den Straßen Sardiniens meldet der Bordcomputer 6,8 Liter Durchschnittsverbrauch, der Normwert liegt laut Mazda bei 4,8 Liter. Ruhige Fahrer können das durchaus schaffen. Sportliche Piloten wählen den 2,0-Liter-Benziner mit 150 PS (ab 21.000 Euro) und dem neuen Sechsganggetriebe, der es auf 209 km/h Spitze bringt. Noch in diesem Jahr folgt mit dem Mazda3 MPS ein Topsportler, der Golf GTI & Co. mit 260 PS den Kampf ansagt.
Fazit: Sicher, komfortabel und dennoch agil. Der überarbeitete Mazda3 startet mit den besten Voraussetzungen in seine zweite Lebenshälfte.
http://www.mototype.de, Holger Schilp
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