Kein aufgeschnittenes Coupé
Wie Jaguar Deutschland-Chef Jeffrey L. Scott anlässlich der XK-Präsentation ausführte, wurde das Vollaluminiumchassis von Cabrio und Coupé in zwei Varianten vollständig eigenständig entwickelt. Scott: Das Cabrio ist also kein aufgeschnittenes Coupé. Schön finde ich, dass Jaguar an dem klassischen Stoffverdeck festgehalten hat. Das sieht nicht nur gut aus, sondern erlaubt auch die Übernahme der 2+2-Sitzanordnung des Coupés.
Solides Stoffverdeck
Das Verdeck sieht von innen aus wie ein festes Dach, dermaßen solide ist es mit seinen drei Schichten ausgeführt. Es verschwindet per Knopfdruck in 18 Sekunden in seinem Staufach unter einer Aluabdeckung. Im Kofferraum kann dann noch ein Volumen von 200 Litern genutzt werden, mit hochgezogener Kapuze erweitert sich das Gepäckabteil auf 283 Liter für die berühmten zwei Golfbags, die die Zielgruppe wohl bisweilen zu transportieren hat. Bei Verwendung von aufpreispflichtigen Runflat-Reifen mit Notlaufeigenschaften stehen ohne Reserverad gar 313 Liter zur Verfügung. Zum Vergleich: Der Mercedes SL bietet 235 bis 339 Liter, das Porsche 911 Cabriolet nur 135 Liter Kofferraum.
Drei Passagiere auf kurzen Strecken
Die Sitze meines Testfahrzeugwagens sind die vielleicht besten, in denen ich je gesessen habe. Allerdings handelt es sich nicht um die serienmäßigen Ledersportsitze mit elektrischer Zehnwege-Verstellung, sondern um die aufpreispflichtigen Luxus-Sportsitze mit 16-Wegeverstellung. Der Clou: Die Sitzfläche ist getrennt von der Lehne verstellbar und so finde selbst ich mit meinen 1,93 Meter eine hervorragende Sitzposition. Hinter mir kann dann allerdings niemand mehr sitzen, denn ich stoße mit der Lehne an den Rücksitz an. Dieser ist ohnehin nur für Kinder gedacht, oder wie Jaguar-Chef Scott erläutert: Unsere Kunden nutzen sie als Gepäckablage oder zum Transport nur eines dritten Passagiers wenn auch nur auf kurzen Strecken.
Wohliges V8-Blubbern, dezentes Fauchen
Nun lasse ich endlich per Startknopf den Motor an. Man hört es sofort: Ein V8 startet. Im Leerlauf und bei zurückhaltender Fahrweise stellt sich ein wohliges Blubbern ein nicht zu laut, nicht zu leise, geradezu perfekt, vor allem für längere Strecken. Nun trete ich das Gaspedal voll durch. Das gebieterische Fauchen der Katze kündet vom dezenten Muskelspiel des Triebwerks.
Gut motorisiert mit 298 PS
Mit der 298 PS starken Maschine bin ich in allen Situationen mehr als ausreichend motorisiert. Steigungen finden ohnehin einfach nicht statt und Überholvorgänge auf kurzen freien Landstraßenabschnitten sind in Sekundenschnelle absolviert. Die Beschleunigung von null auf hundert dauert 6,3 Sekunden, bei 250 km/h Höchstgeschwindigkeit wird abgeregelt. Das maximale Drehmoment von 411 Newtonmetern spricht für sich, die Leistungsentfaltung erfolgt kraftvoll und gleichmäßig auch von unten heraus. Die Automatik schaltet weich und schnell zugleich. Mit den serienmäßig hinter dem Lederlenkrad angebrachten Schaltwippen kann ich nach Gutdünken in das Geschehen eingreifen, wobei die Automatik im Sportmodus anders schaltet als in der normalen Einstellung.
Das wohl schönste Cockpit der Welt
Ich muss hinter einem Lastwagen her bummeln und lasse den Blick über das Armaturenbrett streifen. Nun kommt mir wieder in den Sinn, was mir beim Einsteigen schon durch den Kopf schoss: Dieses Auto hat das wohl schönste Cockpit der Welt. Der Mix aus Leder, Aluapplikationen und Holz ist den Designern mehr als gelungen. Klare Linien, wenige Schalter und übersichtliche Rundinstrumente sprechen eine sportlich luxuriöse Sprache. Der Nachteil: Viele Fahr-Funktionen sind nur über den serienmäßigen Touchscreen zu bedienen. Bei der ebenfalls inbegriffenen Navigation macht das noch Sinn, da man sich immer treffend durch die Menüs geführt gar nichts merken muss. Aber für die Aktivierung der Sitzheizung würde ich mir doch lieber ein kleines Knöpfchen wünschen, das ginge einfacher zu bedienen.
Federung steht auf Komfort
Die Federung könnte allerdings straffer sein. Speziell beim Cabriolet, dessen elektronisches CATS-Fahrwerk komfortabler abgestimmt ist als das vom Coupé. Das und die leicht nervöse Lenkung, vor allem im Bereich von Landstraßen-Tempi, und die vergleichsweise schwergängigen Bremsen sind meine Kritikpunkte am neuen XK Cabriolet.
Jaguar schreibt Sicherheit groß
Lobenswert ist hingegen die hohe Sicherheitsausstattung: Alu-Überrollbügel schießen bei einem Roll-over mit geschlossenem Dach durch das verglaste Heckfenster. Völlig neu ist der Fußgängerschutz: Ein pyrotechnisches System sorgt im Falle eines Fußgänger-Kontakts dafür, dass die vorn angeschlagene Motorhaube um zehn bis 15 Zentimeter nach oben schwenkt und ein Polster zwischen den darunter liegenden Motorteilen herstellt. Auch hier geht Jaguar neue Wege.
Ein Stern weg, ein halber drauf
Dem Jaguar XK Cabriolet gebühren in der Endwertung viereinhalb von fünf Sternen. Zunächst habe ich ihm einen Stern abgezogen, da mir das Fahrwerk etwas zu weich und das Handling nicht direkt genug ist die beiden Konkurrenten BMW 6er und Porsche 911 schneiden in diesen Kriterien wesentlich ab und vielleicht auch der neue SL von Mercedes. Einen halben Punkt habe ich dann aber wieder draufgelegt: Zum einen für die äußerst reichhaltige Serienausstattung mit Sechsgang-Automatik, Schaltwippen am Lenkrad, 7-Zoll-Touchscreen mit DVD-Navigationssystem, Bluetooth-Telefon-Schnittstelle, Audioanlage samt MP3-fähigem Sechsfach-CD-Wechsler, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht, Park Distance Control, Keyless Startsystem und elektrisch verstellbaren Ledersportsitzen. Und zum anderen für das innovative Fußgängerschutzsystem. Vielleicht benoten Sie den Komfortaspekt aber höher und das im Vergleich zur Konkurrenz weniger straffe Fahrwerk ist Ihnen gerade recht: Dann können Sie dem Jaguar XK Cabriolet ja gerne auch Ihre vollen fünf persönlichen Sterne verleihen.
(ph)
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