Clever Fahren

Ist überhaupt etwas vergleichbar damit, ... ein Auto unter Wasser zu steuern?

Fr 30.Okt. 17:27 von Ben Pulman

Zwar mag er aussehen wie ein Lotus Elise, der in ein nasses Grab sinkt, aber es ist und bleibt ein voll funktionsfähiges Unterwasser-Fahrzeug, in dem wir, wie sagt man es am besten, auf Tauchstation gehen.

Das war wirklich keine gute Idee. Ich sitze im Elektroauto Lotus Elise, das in der Mitte des Zürichsee schwimmt. Alles bereit zum Tauchen! Mit der schönen Aussicht, wahlweise zerfetzt zu werden oder zu ersticken. Vielleicht auch beides zugleich - denn ich werde der erste Journalist im wiederum ersten Unterwasser-Auto der Welt sein. Willkommen im Rinspeed sQuba. Und hab' ich schon erwähnt, dass dieser eine Million Pfund Sterling wert ist?

Den sQuba, eine Kreation von Frank Rinderknecht, gibt es nur aus zwei Gründen: Erstens, weil es Rinderknecht schlicht liebte anders zu sein und zweitens, um die Fähigkeiten seiner Schweizer Firma Rinspeed zu bewerben. Rinspeed hatte sich darauf spezialisiert, für namhafte Autohersteller Unikate von Modellfahrzeugen vorrangig für Automessen und Autoshows zu entwickeln. Was passt also besser, als die eigenen Talente mit der Entwicklung und dem Bau eines Tauch-Fahrzeugs zu präsentieren - zumindest soweit dieses auch wirklich funktioniert.

Rinderknecht strahlt, als er mir das Auto vorführt, mit einem besonderen Hinweis auf die (offensichtlich wasserdichte) Lithium-Ionen-Batterie und den gut 700kW (72bhp) starken Elektromotor, der den ursprünglichen Toyota-Motor ersetzt. Er versicherte mir, dass die ersten Tauchversuche in Florida ohne größere Störungen verlaufen waren. Ich möchte eine lässige Bemerkung in 007-Manier machen (so etwas wie: Scheinwerfer abblenden bitte!), aber Rinderknechts Wagen läuft bereits auf vollen Touren und mir fallen unwillkürlich wieder all die Geschichten über undichte Lotuse ein.

Rinderknecht benimmt sich, als wäre es eine alltägliche Angelegenheit, einem Journalisten diesen einzigen Prototypen über die Zufahrten und quer über den Züricher See steuern zu lassen. Und offen gesagt: Ich bin ziemlich nervös bei dieser Jungfernfahrt. Denn noch wohnt in mir der feste Glaube, dass man Elektrizität und Wasser besser nicht zusammenbringen sollte.

Wir haben „abgelegt" und gleiten leise (da elektrisch, Sie erinnern sich) durch die Hafenanlagen hinunter Richtung Wasserkante. Wir tauchen ein, die Nase bleibt oben - wasserdicht, dank Schaumstoff, der in jeden Winkel und jede Ritze gespritzt wurde. Unser Gefährt schwimmt weg vom Ufer.

Per Knopfdruck wird der sQuba vom Sportwagen zum Schiff. Lamellen im Frontgrill (oder sollte man besser Kiemen sagen?) öffnen sich, um das Wasser direkt in die neben den Türen montierten Jetstreams zu leiten und so für Antrieb zu sorgen.

Über einen Regler kontrolliert man die „Schiffs"-Propeller, also öffne ich ihn und wir bewegen uns in Richtung See-Mitte. Der sQuba schaukelt sanft auf den Wellen und ich stecke meine Finger in das kühle Wasser, das uns umgibt, und lasse den Blick zurück ans Ufer schweifen. Hier fahren alle anderen Autos, deren Fahrer sich wohl kaum bewusst sind, dass sie gerade ein schwimmendes Auto passieren. Was für ein perfekter Tag hier draußen.

Es wird Zeit zum Tauchen. Um dies zu tun, müssen wir unseren sQuba zunächst fluten. Der ganze Schaumstoff an Bord bewirkt zunächst, dass wir über Wasser bleiben. Daran ändert auch die Gegenwart der beiden schweren Insassen nichts. Um das Auto sinken, Verzeihung: tauchen, zu lassen, müssen wir schlicht die Türen öffnen und das Wasser „an Bord" lassen.

Das ist nichts was ich wirklich tun möchte und auch der Züricher See selbst ist nicht eben hilfreich. Unter dem Druck des Wassers lassen sich die Türen kaum bewegen und ich brauche all meine Kraft, um sie auch nur einen schmalen Spalt zu öffnen.

Das Wasser tröpfelt zunächst in den Wagen, um sich dann jedoch urplötzlich in einem Sturzbach zu ergießen. Es umspült meine Knöchel, füllt meine Schuhe, sickert selbst in meinen Neoprenanzug und kühlt meine empfindlichsten Regionen.

Da gibt es keine Zeit zu langen Überlegungen. Maske auf, Mundstück rein und schon atme ich durch das bordeigene Sauerstoffsystem, wobei der sQuba zeitgleich mit dem Untertauchen beginnt. Nicht vollständig allerdings, denn der viele Schaumstoff sorgt noch immer dafür, dass unser Gefährt ganz knapp über der Oberfläche bleibt. Anders gesagt, mein Kopf ragt wie ein Periskop aus dem Wasser und ich fühle mich sehr einsam, auf dem Züricher See. Das war eine ganz schlechte Idee.

Um tiefer einzutauchen, müssen wir den Wagen gegen seinen natürlichen Auftrieb unter die Oberfläche zwingen, was mit Hilfe der Jetstreams geschieht. Diese werden über zwei Streben gehalten, die den klassischen Ganghebel ersetzen, und werden über eine Kupplung und ein Gaspedal bedient. Beide sind jetzt gedrückt und so beginnen wir unseren Weg nach unten. Vergessen Sie die klischeehafte „Wind- in-den-Haaren-Fahrt". Der Wasser-in-Deinem-Anzug-Tauchgang ist angesagt.

Sind Sie schon einmal in einem schnellen Wagen gesessen, der gerade beschleunigt? Und hat es Ihren Magen dabei zusammengequetscht als Sie in den Sitz gepresst wurden? Sie lieben dieses Gefühl? Dann ist der sQuba das perfekte Auto für Sie. Mit jedem Zentimeter, den Sie tiefer in den Sitz gedrückt werden, wird Ihr Körper weiter zusammengestaucht. Ihre Maske passt sich Ihrem Gesicht immer mehr an. Sie bekommen die geballte Kraft des Züricher Sees zu spüren.

Unter Wasser ist es gespenstisch still, außer meinem Darth-Vader-mäßigen Atmen. Wenn nur die Sicht 16 Fuß unter der Wasseroberfläche nicht so schlecht wäre. Trotzdem: Mit dem sQuba abzutauchen ist eine unglaubliche und magische Erfahrung. Wie ein Kind, das zum ersten Mal seine Hände und Füße entdeckt, fühle ich mich von meinen Händen angezogen. Ich schaue sie an, fasziniert von diesem alienartigen Gefühl der Schwerelosigkeit im inzwischen schon vertrauten Innenraum des sQuba. Vielleicht lässt es sich am besten damit vergleichen, zum Mond zu fliegen.

Das ist nicht meine vorrangige Erinnerung an den sQuba, noch ist es das erste Mal, dass ich ohne Schuldgefühl in einem Auto Pipi mache (aber das ist eine andere Geschichte). Was ich niemals vergessen werde, ist das Abtauchen mit dem sQuba, auch wenn wir dann wieder aufgetaucht sind.

Der sQuba, wie er in der Mitte des Züricher Sees schwebt, ist ein faszinierender Anblick. Wie ein Schiff im Trockendock sieht der Wagen, außerhalb seines natürlichen Lebensraums, ganz anders aus. Er ist magisch, verführerisch und geheimnisvoll. Eine seltsame Form eines neuartigen Autos. Es ist eine unvergessliche Erinnerung. Glücklicherweise eine, die ich nicht in ein feuchtes Grab mitnehmen werde.

Links:
Offizielle Website von Rinspeed
Drive Smart Blog - Yahoo UK
Website Shell Driver's Club

Dieser Artikel erschien im Original in Ausgabe 7 des Motormagazins  V-ZINE, welches in Grossbritannien und Italien exklusiv an Mitglieder des Shell V-power Clubs ausgegeben wird; Shell's premium Kundenbindungsprogramm für Shell V-Power Kunden.

Shell V-Power
 

 

  • Comments 1 - 9 of 9
  1. Den möchte ich haben :D

    From lustig39 on So 01.Nov. 19:14
    Mißbrauch melden
  2. ist ja cool xD

    From lady.snowball on So 01.Nov. 19:26
    Mißbrauch melden
  3. Zürichsee nicht Zürich See!

    From hpsreisha on So 01.Nov. 19:33
    Mißbrauch melden
  4. bin schon damit gefahren.. ist nichts besonderes.... der fährt wenns hochkommt 5 km/h und kann man nur auf ebenem Untergrund fahren, wär also nichts für die Natus

    From irinakarch on So 01.Nov. 19:38
    Mißbrauch melden
  5. bin schon damit gefahren.. ist nichts besonderes.... der fährt wenns hochkommt 5 km/h und kann man nur auf ebenem Untergrund fahren, wär also nichts für die Natur

    From irinakarch on So 01.Nov. 19:38
    Mißbrauch melden
  6. freue mich schon auf den schnorchelurlaub am roten meer auch ohne elise

    From gnnergallejdo on So 01.Nov. 19:41
    Mißbrauch melden
  7. Zürichsee nicht Züricher See xD aber bestimmt funny

    From patricksimonmeyer on So 01.Nov. 20:37
    Mißbrauch melden
  8. geil

    From tami.korpatsch on Mo 02.Nov. 07:42
    Mißbrauch melden
  9. des auto is geil

    From dave.ossi on Mo 02.Nov. 08:39
    Mißbrauch melden
  • Comments 1 - 9 of 9

Diesen Artikel kommentieren

Noch keine Yahoo!-ID? Jetzt anmelden für einen kostenlosen Yahoo! Account