Bayerisches Sokoban

Das autonome Parken hat gerade Hochkonjunktur: Während Audi die Fahrzeuge selbständig in leere Parklücken fahren lässt, setzt Serva Transport Systems auf das Konzept eines traditionelles Warenlagers, in dem die Autos mit Hilfe von automatisierten Transportschlitten möglichst platzsparend angeordnet werden.

Wer kennt das nicht? Das scheinbar endlose Kreiseln im Parkhaus, bis man endlich einen Parkplatz gefunden hat. Doch dieses nervige Ritual könnte bald der Vergangenheit angehören. Serva Transport System hat ein System erfunden, das die Autos selbständig sortiert und wieder abholt. Damit unterscheidet sich der Ansatz des in Bernau am Chiemsee beheimateten Unternehmens diametral von der Audi-Variante des autonomen Parkens: Audi lässt die Fahrzeuge in freie Parklücken fahren, reagiert also auf bestehende Verhältnisse, während Serva Transport System die Autos aktiv möglichst platzsparend anordnet.

Navigation per Laser

\"Bei konventionellen Parkhäusern schaffen wir eine bis zu 40 Prozent bessere Raumausnutzung\", erklärt Rupert Koch, Geschäftsführer Vertrieb. Sind die Oberbayern an der Planung der Garage beteiligt, steigt der Vorteil der Raumnutzung auf bis zu 60 Prozent. Das Problem an herkömmlichen Garagen ist die Anordnung der Säulen, die einer optimierten Verwendung des Parkplatzes bisweilen im Wege stehen - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Prinzip hinter dieser Variante ist einfach und ist aus jedem Warenlager bekannt: Wie bei einer überdimensionalen Variante des Spieleklassikers Sokoban, bei dem Blöcke hin und her geschoben werden, werden Automobile an einen bestimmten Platz der Garage gebracht und wieder abgeholt. Die Software stammt aus der Paletten-Logistik. Das zentrale Element dieser Logistik-Übung ist das Fahrerlose Transport Fahrzeug (FTF), eine Art Gabelstapler für Autos mit vier vollbeweglichen Rädern. Damit kann der Transporter, wie ein Einkaufswagen, Manöver auf engstem Raum ausführen, die ein Automobil so nie hinbekommen würde. So ist das optimale Raum-Management garantiert. Die Navigation in der Garage wird via Laser gewährleistet.

Abholung per Smartphone App

Alles, was der Fahrer tun muss, ist das Auto in einer Übergabestation, die einer Waschanlage ähnelt, abzustellen und auszusteigen. Den Rest übernimmt die Technik. Der verstellbare Transportwagen vermisst das Auto mit Hilfe der Sensorik und hebt es vorsichtig an, indem die mit Gummiwalzen versehenen Schienen seitlich unter jedes Rad fahren. Dann wird es autonom an den vorgesehenen Platz gefahren und dort wieder abgestellt.

Will der Fahrer seinen Wagen wieder abholen, kann er diesen Vorgang mit einer Smartphone-App oder seinem Park-Ticket initiieren. Das Ausparken läuft dann im Grunde rückwärts. So weit, so gut. Doch was ist, wenn ein Fahrzeug in einem Pulk von Autos eingekeilt ist? Dann kommt wieder die Sokodan-Taktik ins Spiel: Das System bewegt die Wagen, die im Weg stehen mit den Transportschlitten weg, parkt sie um, merkt sich die neue Position.

Einen ersten Praxistest auf dem Düsseldorfer Flughafen hat das System schon hinter sich. \"Das Parksystem von Serva Transport Systems funktionierte erstklassig im Probebetrieb\", ist Christian Jahncke, Geschäftsführer des Parkhausbetreibers SITA Airport IT GmbH am Düsseldorfer Flughafen, voller Überschwang. Während Audi seinen Ansatz des autonomen Parkens auf der CES in Las Vegas präsentierte und dort zwei Preise einheimste, demonstrierte Serva Logistik auf der Münchner Bau-Messe das Können seines Parksystems. Statt amerikanischen Jubel gab es anerkennende Worte von Verkehrsminister Ramsauer.