Brandneu: Der Audi A1 Sportback im Test

Lloret de Mar (Spanien), 19. Januar 2012 - Nein, mit dem Mini will Audi den A1 eigentlich nicht vergleichen. Schon bei der ersten Vorstellung des neuen Fünftürers vor drei Monaten erklärte Designer Jürgen Löffler: "Das ist ja kein Mini." Recht hat er natürlich. Der Kleinwagen aus dem BMW-Konzern erscheint im Retro-Look, wirkt innen verspielt und ist mit maximal drei Türen erhältlich. Der A1 hingegen tritt athletisch auf, ist modern eingerichtet und - ab Februar 2012 - auch mit fünf Türen zu haben. Lediglich beim farblich abgesetzten Dach haben sich die Ingolstädter dann möglicherweise doch ein bisschen von der Konkurrenz aus München inspirieren lassen.



Höherer Nutzwert

Als Fünftürer soll der A1 mit dem Namenszusatz "Sportback" die Marke mit den vier Ringen im Kleinwagen-Segment weiter voranbringen. Rund 118.000 Mal wurde der dreitürige A1 seit dem Marktstart Mitte 2010 verkauft. Das ist nicht schlecht, bietet aber noch Luft nach oben. Der höhere praktische Nutzwert des Fünftürers soll etwa junge Familien ansprechen - zumindest bei der Suche nach einem Zweitwagen. Im Vergleich zum Dreitürer wurde beim Sportback nur das verändert, was verändert werden musste. Länge (3,95 Meter) und Radstand (2,47 Meter) sind identisch, auch der Kofferraum fasst bei beiden 270 bis 920 Liter. Außer den beiden zusätzlichen Portalen hinten gibt es für Fahrer und Beifahrer um 24 Zentimeter verkürzte Türen. Das Dach des Sportback liegt geringfügig höher und wurde ein Stück weiter nach hinten gezogen. Während beim Dreitürer lediglich die Dachbögen in Kontrastfarbe erhältlich sind, kann beim Fünftürer für 400 Euro extra das komplette Dach in Schwarz, Silber oder Grau lackiert werden.



Hinten nicht zu groß

Das Platzangebot fällt naturgemäß nicht üppig, für einen Kleinwagen aber akzeptabel aus. Fondpassagiere sollten nicht sehr viel größer als 1,75 Meter sein, wenn sie bequem sitzen wollen. Für den A1 Sportback kann statt der serienmäßigen Zweier-Rückbank ohne Aufpreis eine dreisitzige Bank geordert werden. Das übersichtliche Cockpit mit den vier runden Luftausströmern übernimmt der Sportback vom dreitürigen Bruder. Qualität und Anmutung gehen über das Kleinwagenübliche hinaus. Mittels Chromapplikationen, unterschiedlichen Zierleisten sowie farblich abgesetzten Sitzbezügen lässt sich die Kabine weiter aufwerten und individualisieren. Der Gepäckraum ist dank niedrigerer Ladekante gut zugänglich und nimmt zwei herkömmliche Reise-Trolleys auf.

Neuer 1.4 TFSI mit Zylinderabschaltung

Die Motorenpalette des A1 Sportback ist überwiegend vom Schwestermodell bekannt. Die Benziner leisten 86, 122 und 185 PS, Diesel sind mit 90, 105 und ab Jahresmitte 2012 mit 143 PS zu haben. Ebenfalls ab Sommer ergänzt ein neu entwickelter 1.4 TFSI mit 140 PS das Angebot. Um den Verbrauch niedrig zu halten, nutzt dieser die Technologie "cylinder on demand", die in ähnlicher Form auch im 4.0 TFSI von S6, S7 und S8 zum Einsatz kommen wird. Bei niedriger und mittlerer Last sowie im Schub werden hier der zweite und der dritte Zylinder vorübergehend still gelegt, indem sie ihre Ventile schließen. Dies geschieht in einem Drehzahlbereich zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen. Gibt der Fahrer kräftig Gas, kehrt das Aggregat blitzschnell wieder in den Vierzylinder-Modus zurück.



Der Fahrer merkt nichts

Wann die Zylinder ab- oder zugeschaltet werden, ist praktisch nicht zu merken. Man kann es sich aber im Fahrerinformationsdisplay anzeigen lassen - und ist erstaunt, wenn selbst bei 120 km/h und gleich bleibender Geschwindigkeit der Motor nur auf zwei Töpfen läuft. Dank Zylinderabschaltung lässt sich der Durchschnittsverbrauch des 1.4 TFSI um 0,4 Liter senken, je nach Fahrsituation soll sogar bis zu einem Liter Ersparnis drin sein. Der 140-PS-Turbobenziner begnügt sich so laut Hersteller mit 4,7 Liter auf 100 Kilometer. Trotz geringem Durst erweist sich das Aggregat als spritzig und agil. Der Standardsprint dauert 8,1 Sekunden, die Spitze liegt bei 212 km/h. Kombiniert wird das neue Triebwerk wahlweise mit einer knackigen Sechsgang-Schaltung oder dem sportlichen Siebengang-DSG.



Satt auf der Straße, gierig beim Preis

Auf der Straße liegt der A1 Sportback erstaunlich satt. Das Serienfahrwerk ist sportlich abgestimmt, schluckt Querfugen und Bodenwellen aber gut weg. Auf Wunsch ist ein straffes Sportfahrwerk erhältlich. Audi verlangt für den A1 Sportback 850 Euro mehr als für den vergleichbaren Dreitürer. Der Einstiegspreis beträgt 16.950 Euro, dafür gibt's den 1.2 TFSI mit 86 PS. Für rund 1.000 Euro mehr erhält man allerdings bereits einen fünftürigen Golf mit 80-PS-Benziner. Der günstigste Mini kostet 15.550 Euro - mit drei Türen und 75 PS. Immerhin kommt der nicht gerade günstige A1 Sportback mit einer ordentlichen Grundausstattung daher. So sind immer rundum elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel, ein CD-Radio und eine Klimaanlage mit an Bord. Gegen Aufpreis sind sogar einige aus größeren Autos bekannte Extras erhältlich. Dazu gehören Xenonscheinwerfer, ein Fernlichtassistent, das Oberklasse-Multimediasystem MMI Navigation Plus sowie ein Internetzugang mit WLAN-Hotspot, Google-Earth-Bildern und Zugriff auf diverse Online-Dienste.