Britpop

Wer wagt, gewinnt. Mit dem Evoque hat Land Rover einen bewussten Kontrapunkt gesetzt gegen seine bis dahin eher kernigen und robusten Offroader. Experiment gelungen: Der Evoque ist ein Livestyle-SUV mit beruhigend viel Land Rover-Genen.

Wer ist der Schönste im ganzen Land? Bei einer sicher nicht repräsentativen Umfrage unter ein paar Hundert Motorjournalisten auf Facebook nach den Autos mit dem besten Design tauchte ein Modell überraschend häufig auf: der Range Rover Evoque. Auch ohne dass Victoria Beckham Hand an ihn gelegt hätte. Eine so dynamische Karosserie, die perfekt mit dem kraftvollen SUV-Auftritt und lässiger Eleganz spielt, hätte man dem eher etwas angestaubt wirkenden Produzenten von rollenden Kleiderschränken wie dem Defender kaum zugetraut.

Zur Not durchs Wasser

Offiziell firmiert der Evoque als Mitglied der Range Rover-Familie. Technisch allerdings basiert er unter dem Blechkleid auf dem Freelander 2. Das macht eine ganz andere Auspreisung möglich: Ein Range Rover ist nicht unter 89.000 Euro zu haben - der Evoque bei gleichem Vornamen schon ab 33.400 Euro. Mit seinen 4,37 Metern Länge sieht der Evoque zwar so massiv und bullig aus, wie es sich für ein SUV gehört - real ist er aber nur ein paar Zentimeter länger als zum Beispiel ein Audi A3. Das macht ihn fit für das Gelände, in dem er wohl vor allem eingesetzt wird: die Stadt. Aber auch auf längeren Autobahnfahrten zeigt sich der Evoque als komfortables Reisefahrzeug.

Wohl kaum je wird ein Evoque dorthin gescheucht, wo seit Anbeginn der Marke der natürliche Lebensraum eines Land Rover ist - ins schroffe Gelände. Doch auch abseits befestigter Straßen schlägt sich der Evoque - zumindest mit den allradgetriebenen Versionen - so, dass er seinen Brüdern alle Ehre macht: Land Rover hat ihm so ziemlich alles mitgegeben, was ihn zum Geländegänger macht. Ein Beispiel: Alle Evoque mit Allradantrieb haben das hausübliche Terrain-Response-System an Bord. Zweites Beispiel: Die Luftansaugung für den Motor liegt oberhalb des linken Radhauses. Das macht ihn watfähig bis 500mm Wassertiefe - genauso viel wie beim Freelander 2. Und um durch Unterführungen zu kommen, die nach einem Gewitter vollgelaufen sind, sollte das in den meisten Fällen auch reichen. Innen ist der Evoque hochwertig ausgestattet, mit sauber verarbeiteten Materialien. Vier Personen finden im Fünftürer gut, vorne sogar üppig Platz, zumal anders als im dreitürigen Coupé keine so stark abfallende Dachlinie die Kopffreiheit einschränkt. Hinter reicht es gut für zwei Passagiere, der Mittelplatz ist eher ein Notsitz. Wer noch mehr Raumgefühl will, der sollte sich das optionale Panoramadach leisten - es bringt Licht und Weite in den Evoque. Für den Fahrer ist der Arbeitsplatz gut einstellbar. Das Lenkrad kann in Tiefe und Neigung gut angepasst werden, der griffige Sitz in allen Dimensionen. Er bietet auch in schnellen Kurven einen guten Seitenhalt. Das Cockpit ist vom Fahrerplatz überschaubar und ergonomisch aufgebaut, die zentralen Anzeigen vor dem Fahrer blendfrei gut einzusehen.

Surround-Kameras

Gestartet wird auf Knopfdruck. Selbst auf der Autobahn bleibt der Geräuschpegel durchweg niedrig. Die gut abgestimmte Start-Stopp-Automatik gibt es nur bei den Diesel-Modellen. Bordcomputer, Navi und Radio sind über die Touchscreen bedienbar. Auf der Mittelkonsole finden sich außer dem kurzen und knackig zu schaltenden Ganghebel die elektronische Handbremse, die sich beim Anfahren von selbst löst und die Einstellleiste für die Programme des effektiven Terrain-Response-Allradsystems: Gras/Schotter/Schnee - Schlamm/Spurrillen - Sand. Weniger gut bestückt ist der Evoque mit Staufächern.

Die Sicht des Fahrers ist zumindest nach vorne gut. Allein schon die erhöhte Sitzposition ermöglicht eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen voraus. Nicht so gut sieht es mit der Sicht nach hinten aus: Die eher an Schießscharten erinnernden Fenster hinter den breiten C- und D-Säulen sowie die schmale Heckscheibe schränken den Blickwinkel ein. Die serienmäßigen Parksensoren oder die Rückfahrkamera aus dem Zubehörkatalog sind also keineswegs überflüssiger Luxus. Wer will, kann auch ein Surround-Kamerasystem ordern, mit zusätzlich zwei Kameras in der Frontstoßstange und jeweils einer Kamera in den Seitenspiegeln. Dann sind alle kritischen Engstellen im Blick. Mit einem Volumen von 550 Litern, die sich durch das asymmetrische Umklappen der Rücksitze auf 1445 Liter erweitern lassen, spielt der Evoque beim Laderaum in der oberen Liga seiner Klasse: Der Audi Q3 etwa bietet 460 Liter, der BMW X1 nur 420 Liter und der VW Tiguan 470 Liter. Die Heckklappe schwingt beim Fünftürer so weit nach oben, dass auch größere Leute ohne Kopfstoß-Gefahr darunter Platz finden. Über die breite Ladeöffnung ist der Laderaum zudem gut nutzbar. Zuvor allerdings muss man das Ladegut erst einmal auf die 75 Zentimeter Höhe des Kofferraumbodens lupfen. Kleinkram lässt sich praktischerweise in ein paar Stauräumen unter dem Kofferraumboden unterbringen.