Camping mit Stil

Beim 24-Stundenrennen in Le Mans gibt es Zeltplätze mit Torsteher.

Es ist Samstagabend, der Grill ist an und keine zwanzig Meter entfernt brettern Autos mit weit über 200 Kilometer pro Stunde vorbei. Der eigene Wagen steht neben dem Igluzelt und die aus geleerten Bierflaschen bestehende Mauer wird noch bis zum nächsten Tag zu einer beachtlichen Burg anwachsen. Die Rede ist nicht von einem Campingplatz an der A3, sondern von einem exklusiven Zeltplatz an der Porschekurve während des 24-Stundenrennens von Le Mans.

Der eigene Wagen ist in diesem Fall auch kein Nissan Micra, sondern ein Aston Martin, Audi R8 oder TVR Tuscan. Letzterer ist im Besitz von John aus Cambridge in Großbritannien. Der sympathische Brite mit einer eben noch auf dem Grill schmorenden Wurst in der Hand ist zum zweiten Mal beim Rennen dabei und genießt sichtlich jeden Moment. Dass er dabei zwar kein fahrendes aber jede Menge parkende Autos von seinem Campingstuhl aus sieht, scheint ihm egal. "Die Fahrt hierhin in meinem kleinen Sportwagen ist schon die Reise wert. Und dann noch die Erfahrung, direkt neben der Strecke live das größte Rennen der Welt live mitzuerleben ist der Wahnsinn", schwärmt der von der Sonne im typisch britischen Stil errötete Camper.

Damit die Herren R8-Camper, Aston-Martin-Zelter und Porsche-Griller unter sich bleiben, steht am einzigen Zugang ein kleiner, schmächtiger Engländer mit dem Auftrag jeden, der nicht über ein rotes Bändchen am Handgelenk verfügt zu verbellen - mit Erfolg. Inkonsequenter Weise verfügt die stählerne Zaunabsperrung über keinerlei Sichtschutz, so dass dennoch der eine oder andere Schnappschuss gelandet werden kann.