Hybrid gewinnt

Der Hybridantrieb hält im Rennsport Einzug. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans waren in diesem Jahr gleich zwei Teams damit unterwegs. Für Audi reichte es zum überlegenen Gesamtsieg.

Es sollte der Vergleich der Hybrid-Systeme werden. Peugeot hatte schon vor einiger Zeit überraschend seine Teilnahme an den diesjährigen 24 Stunden von Le Mans abgesagt. Nun warteten alle darauf, wie sich die Hybridsysteme, mit denen Audi und der Neuling Toyota ihre Boliden auf die Strecke schickten, bei der 80. Auflage des Rennklassikers schlagen würden. Am Ende war der Sieg eindeutig - doch es lag nicht an den Systemen.

Audi ging in zwei seiner vier Fahrzeuge mit Hybridantrieb an den Start. Die R18 e-tron-Hybriden aus Ingolstadt speicherten die Energie, die beim Bremsen gewonnen wird, in Schwungrädern mit bis zu 40.000 Umdrehungen. Die Energie können sie dann als Booster bei Bedarf wieder abgeben. Kurzzeitig wird der rund 500 PS starke Dieselmotor des Audi R18 e-tron quattro so mit 163 kW/200 PS zusätzlich unterstützt. Die beiden hinteren Räder werden dabei wie gehabt vom TDI befeuert. Der Zusatzstrom treibt bei Bedarf zwei Elektromotoren an den vorderen Achsen an - ein Audi quattro also.

Nur mit ein paar Zugeständnissen hatte Audi dieses Konzept durch bekommen - denn eigentlich sind in Le Mans keine Fahrzeuge mit vier angetriebenen Rädern erlaubt. Eine der Einschränkung: Der zusätzliche Drive an den Vorderrädern darf erst ab einem Tempo von 120 km/h einsetzen. Anders die Japaner. Die beiden Toyota TS030 Hybrid treibt hauptsächlich ein Benzinmotor, der ebenfalls über 500 PS kommt. Jedoch arbeiten in den rot-weißen Rennern keine Rotationsspeicher, sondern Kondensatoren, die die elektrische Zusatzleistung blitzartig wieder abgeben können.

Schon in den ersten Runden zeigte sich auf dem Rundkurs in der französischen Provinz, dass die Toyota mit den hoch favorisierten Audi durchaus mithalten konnten. Nach einer Stunde Rennen lagen die beiden e-tron-Audi mit den Startnummern 1 und 2 zwar in Führung - dicht gefolgt allerdings von den beiden Toyota. Dahinter dann die zwei herkömmlich angetriebenen Audi. Toyotas Sprecher Tom Mallett freute sich schon: "Es läuft besser als erwartet." Aber: "Wichtig ist jedoch, wo wir nach 24 Stunden sind."

Dass die Skepsis angebracht war, erwies sich schon wenig später. Zwar waren es zuerst die Audianer, die einen herben Rückschlag einstecke mussten. Kurz nach 19:30 Uhr setzte Romain Dumas den herkömmlich angetriebenen Audi R18 mit der Startnummer 3 beim Überrunden eines GT-Fahrzeugs an der ersten Schikane gegen die Leitplanke und demolierte dabei die Frontverkleidung und die rechte vordere Radaufhängung. In der Formel 1 bedeutet so etwas das Aus - in Le Mans eine zusätzliche Herausforderung: Kurz entschlossen stieg der Franzose aus, riss mit brachialer Gewalt den Rest der Verkleidung ab, nahm wieder in seinem Fahrzeug Platz, setzte zurück und fuhr mit eierndem Vorderrad Richtung Boxengasse weiter - hinter sich wild gestikulierende Marshals. Dumas schaffte es in zehn Minuten bis zur Audi-Box, wo die Mechaniker sich gleich daran machten, die halbe Fahrzeugfront auszuwechseln.