Italienischer Sushi-Flitzer

In Hiroshima baut Mazda in Zukunft neben dem MX-5 einen zweisitzigen Roadster für Alfa Romeo. Ab 2015 soll der offene Spaßmacher in zwei schicken Blechkleidern in Japan vom Band laufen.

Da ist der von vielen Männern immer noch verkannte Mazda MX-5 der nächsten Generation so gut wie fertig und bereit zur Produktion, da klopft es am japanischen Werkstor. Sergio Marchionne, seines Zeichens Fiat-Chef, braucht schleunigst einen offenen Zweisitzer - und nicht irgendeinen. Er muss besser als der alte Alfa Romeo Spider werden. Viele werden jetzt sagen, das ist nicht schwer. Ist der aktuelle Spider mit seinem Lebendgewicht zwischen 1,6 und 1,8 Tonnen in Verbindung mit seinem Front- und Allradantrieb weit davon entfernt, in der Liga der Roadster aus dem Fahrdynamikkeller zu kriechen. Doch ist es mit einer radikalen Gewichtsreduzierung und dem Tausch der Antriebsseite nicht getan.

Aus diesem Grund wendet sich der Fiat Konzern an die Japaner aus dem Hause Mazda. Mit ihrem seit Jahren unverschämt günstigen MX-5 fahren die seit Jahren ihren Kritikern einfach davon. Ab 22.590 Euro für einen 1,2 Tonnen leichten Freiluftjapaner mit einem offensichtlich zum Spaßhaben entwickelten Heckantrieb sorgen nicht nur bei der Frauenwelt für ein Lächeln im Gesicht. Und genau das will Marchionne jetzt auch den Alfa Romeo-Fahrern wieder zurückschenken. Ob in den Gedanken des Automobilbauers erneut die Treibstoffvariante Diesel eine Rolle spielen wird ist genauso unklar wie ein Allradkonzept für den neuen Italo-Japaner. Jedoch ist beides unwahrscheinlich. Es ist davon auszugehen, dass sich Alfa Romeo zu Beginn mit eigenen Ideen zurückhält, um einem guten Ergebnis nicht im Wege zu stehen und so schnell wie möglich mit dem neuen Gemeinschaftsprojekt auf die Straße kommt. Für den offiziellen Marktstart wird das Jahr 2015 angepeilt.

Doch denkt der vorausschauende 60-Jährige nicht nur an seine europäischen Kunden. Vor allem geht es ihm darum auf dem US-amerikanischen Markt wieder Fuß zu fassen, welchem der Konzern im Jahr 1994 den Rücken zuwandte. \"Wir wollen ein einziges Unternehmen aufbauen, das Autos in der ganzen Welt herstellt\", macht Marchionne gern sein Ziel deutlich. Den Anfang soll jedoch nicht der Roadster-Hybrid aus Alfa und Mazda werden, sondern mit dem neuen Coupé 4C ein Eigengewächs. Bleibt zu hoffen, dass Alfa sich damit nicht schon vor dem großen Angriff mit dem italienischen Sushi-Flitzer die gerade erst geöffnete Türe wieder zufährt. Denn sollte das Coupé 4C auch nur annähernd so unsportlich beziehungsweise schlecht sein, wie zum Beispiel ein Fiat Barchetta oder eben jener aktuelle Spider, dann können die Logo-Aufkleber im japanischen Hiroshima gleich die schicken Alfa-Embleme in die Schublade zurückpacken.

Doch so schnell wird das kaum passieren, denn nicht nur der Fiat Konzern soll von dem Deal profitieren. Für Mazda kommen die Italiener gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn sie brauchen Stückzahlen - und zwar jede Menge. Ein weiterer Vorteil an der derzeitigen Situation ist, dass der neue MX-5 nahezu fertig ist. Soll heißen, dass potenzielle Diskussionen oder Kompromisse mit der italienischen Ingenieurs-Front während der für ein Fahrzeug wichtigen Entwicklungsphase nicht mehr auftauchen können.

Dass es wie zuletzt zwischen Lancia und Chrysler zu einem sogenannten Re-Badging, sprich dem simplen Emblemtausch auf den Fahrzeugen kommt, ist nicht zu erwarten. Offiziell heißt es, dass auf der Basis des Mazda MX-5 zwei sich deutlich voneinander unterscheidende und somit optisch eigenständige Roadster mit Hinterradantrieb und einem geringen Gewicht entwickelt werden sollen. Die Motoren kommen zudem aus den eigenen Entwicklungslagern, um somit zusätzlich die Markenspezifik zu erhöhen. Na dann, grazie gozaimasu für einen spannenden neuen Roadster.