Lückensucher

Es ist zuletzt ruhig geworden um Suzuki. Mit dem SX4 S-Cross besinnen sich die Japaner ihrer alten Tugenden. Doch etwas mehr Mut wäre dringend nötig gewesen.

Schwere Zeiten für Suzuki. Jahrelang lebten die Japaner insbesondere davon, kleine Autos mit Allradantrieb anzubieten. Seitdem die Konkurrenz hier ebenfalls Kunden jagt, muss Suzuki Lücken im Modellprogramm der anderen mit der Lupe suchen - und versuchen diese zu füllen. Allradantrieb bietet fast jeder und bei den beliebten Geländewagen fährt man den Volumenherstellern längst hinterher. Bis Suzuki im Frühjahr 2015 seinen neuen kompakten SUV auf den Markt bringt, muss es der SX4 S-Cross retten. Das Kompaktklassemodell mit optischen SUV-Anleihen hat in Sachen Antrieb, Assistenzsysteme und Ausstattung kaum eine Chance gegen Hersteller wie Volkswagen, Opel, Peugeot, Kia oder Ford. Doch ein solides Platzangebot, ein fairer Preis und ein variabler Allradantrieb machen den Suzuki SX4 S-Cross durchaus zu einem interessanten Kauftipp.

Zähe Fahrleistungen

Wer auf Image, eine innovative Sicherheitsausstattung und schickes Design Wert legt, ist beim SX4 S-Cross schlichtweg falsch. Das Suzuki-Image ist dünn und technisch bietet das fünftürige Kompaktklassemodell nicht mehr als schmackhafte, aber recht einfallslose Hausmannskost. Überhaupt hat Suzuki beim Design ein wenig glückliches Händchen. Bereits der Kleinwagen Swift wurde komplett neu entwickelt, sah seinem Vorgänger aber zum Verwechseln ähnlich. Beim neuen SX4 S-Cross sieht das kaum anders aus. Auch der übertreibt es mit der visuellen Zurückhaltung allzu sehr und hat große Ähnlichkeiten mit seinem Ahnen. Im Innern sieht das anders aus, denn hier gibt es durchaus moderne Elemente. Die Instrumente sind gut ablesbar und die Sitze passen auch für groß gewachsene Insassen. Das gilt jedoch nicht für die Rückbank, denn hier können wegen des geringen Kopfraums Personen nur bis 1,75 Meter sitzen. Immerhin fasst der Laderaum gute 430 Liter.

Ist man erst einmal eingestiegen und auf zunächst befestigten Winterstraßen unterwegs, zeigt der SX4 S-Cross seine inneren Qualitäten. Die Fahrwerksabstimmung mit McPherson Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten kann sich fahren lassen und die direkte Lenkung erfreut ebenso wie das unaufgeregte Getriebe und das angenehme geringe Leergewicht von 1.245 Kilogramm. Hier fehlt eines: ein sechster Gang, denn ungewöhnlich in der Kompaktklasse, gibt es trotz 88 kW / 120 PS nur fünf Stufen. Das macht sich bei flotter Gangart schnell bemerkbar, denn das Geräuschniveau ist ab Tempo 100 zu hoch. Der Motor verzichtet auf eine Aufladung und hängt gut am Gas. Doch 156 Nm maximales Drehmoment bei 4.400 U/min sind nicht viel. Besonders aus dem Drehzahlkeller tut sich bei dem Fünftürer wenig und die Fahrleistungen selbst sind ebenso dünne Hausmannskost wie die Individualisierungsmöglichkeiten. 0 auf Tempo 100 schafft er in trägen zwölf Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h ist ebenfalls alles andere als beeindruckend. Immerhin hält sich der optionale Allradler mit einem Durst von 5,7 Litern Super beim Normverbrauch zurück. Der identisch starke Dieselmotor gibt sich mit 4,2 Litern zufrieden.

Bitte mit Allrad

Gut schlägt sich der Allradantrieb Allgrip, bei dem der Fahrer über einen Drehschalter am Mitteltunnel vier verschiedene Modi ansteuern kann. Verteilen die drei Fahrstufen Snow, Auto und Sport die Motorleistung variabel im Verhältnis zwischen 100:0 und 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse, ist bei der Bergfahrt auf Schnee und Eis der Lock-Modus mit einer festen Kraftverteilung von 50:50 genau das richtige. Solide und unspektakulär krabbelt der 4,30 Meter lange Asiate die verschneiten Hügel hinauf.

Preislich geht es bei 19.490 Euro für den dünn ausgestatteten Suzuki SX4 S-Cross Club los. Kauftipp ist der SX4 S-Cross 4WD Comfort Plus, der 26.790 Euro kostet und zusätzlich allein mit einer 500 Euro teuren Metalliclackierung ausstaffiert werden kann. Details wie beheizte Ledersitze, Panorama-Schiebedach, Xenonlicht und Navigationssystem sind serienmäßig. Weitere Komfortausstattungen oder Fahrerassistenzsysteme bietet der Suzuki auch in der Topausstattung nicht.