Platz da!

Fahrdynamisch war der 3er Touring schon immer ganz vorne. Doch die neue Generation glänzt neben aller Dynamik mit ungewohnten Qualitäten.

Denn als Lademeister konnte sich der 3er BMW bisher kaum nennenswert in Szene setzen. Das hat sich mit dem neuen 3er Touring auf einen Schlag geändert. Der sieht als Kombi wie schon beim Vorgänger noch besser aus als die Limousine und offenbart praktische Nehmerqualitäten. 495 Liter Laderaum im Normalzustand und bis zu 1.500 Liter bei umgeklappter Rückbank - da muss auch die alles andere als schwache Konkurrenz in Stuttgart und Ingolstadt erst einmal kräftig schlucken. \"Wir haben die Dachlinie nicht mehr so stark wie bisher abfallen lassen\", erläutert Anton Ruf, bei BMW verantwortlich für die kleinen Baureihen, \"der neue 3er BMW kombiniert Nutzen und Ästhetik. Zudem gibt es erstmals eine elektrische Heckklappe.\"

Drei Motoren zum Start

Und tatsächlich punktet der neueste Dreier mit nicht ganz neuen, aber deutlich verbesserten Tugenden. Ein Druck auf den Schlüsseltaster und die Heckklappe fährt serienmäßig elektrisch auf und zu. Von innen geht das Ganze nicht so problemlos, weil der Schalter für die Heckklappenbetätigung völlig sinnfrei im linken Fußraum untergebracht wurde. Nicht zu sehen und allenfalls zu ertasten. Besser daher per Schlüssel, Heckklappengriff oder - gegen Aufpreis - per Tritt unter der bayrische Hinterteil. Wie von Geisterhand öffnet sich das Tor zum Laderaum auch ebenfalls. Praktisch zudem bleibt die separat zu öffnende Heckscheibe, die gerade auf engem Raum einen echten Mehrwert bietet. Der Laderaum ist nicht nur üppiger denn je dimensioniert, er sieht auch schick aus und bietet zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für das bisweilen wertvolle Ladegut. Ein Griff und die dreigeteilte Rückbank klappt im Verhältnis 40:20:40 nach vorn. Praktischer geht es nicht. Oho Dreier!

Trotz aller Ladequalitäten kann und will der 4,62 Meter lange Touring beim Kunden mit bekannten 3er-Qualitäten punkten. Er sieht sportlich aus und die Antriebe werden zumindest ab dem Jahreswechsel das gewohnt breite Spektrum abdecken. Zum Marktstart im September gibt es die drei Touring-Varianten 320d, 330d und 328i. Während die Diesel auch bei der neuen Generation den Hauptanteil der Kunden abgreifen dürften, zeigt der drehfreudige Zweiliter-Turbo des BMW 328i Touring viel Licht und etwas Schatten. Der Vierzylinder ist ein Wunder an Laufruhe und drehfreudig wie kaum ein anderes Triebwerk in dieser Klasse. Die Fahrleistungen sind angesichts der geringen Zylinderzahl und des überschaubaren Hubraums eindrucksvoll. 180 kW / 245 PS und 350 Nm bei niedrigen 1.250 U/min sind ebenso beeindruckende Werte wie 0 auf 100 km/h in sechs Sekunden und 250 km/h Spitze.

Exzellentes Fahrwerk

Besonders in Verbindung mit dem optionalen Achtgangautomatik-Getriebe von ZF präsentiert sich der aktuell stärkste Touring-Benziner besser denn je. Abstriche muss der Fahrer jedoch beim Motorsound und dem Realverbrauch machen. Der in Aussicht gestellte Normdurst von 6,8 Litern Super auf 100 Kilometern ist selbst bei größter Zurückhaltung im rechten Pedal kaum zu realisieren. Dagegen bereitet es auch ohne Raserei keinerlei Mühe, die Zehn-Liter-Marke deutlich zu knacken. Auch beim Klang ist der 328er Motor kein Vergleich zum schwächeren 325i-Modell der Vorgängergeneration, der über einen prächtigen Reihensechszylinder verfügte. Doch gerade in den kleinen Fahrzeugklassen 1er und 3er sind die grandiosen Reihensechszylinder bei den Benzinern nur noch Nebendarsteller. Wer sich nicht für den 328i oder den extrem sparsamen 320d Touring (Normverbrauch 4,7 Liter Diesel) erwärmen kann, kann jedoch beim 330d Touring ins Schwärmen kommen. Mit einem 258 PS und 560 Nm starken Dreiliter-Diesel bestens unterwegs, soll er sich mit kaum mehr als fünf Litern Verbrauch zufrieden geben.

Eine Klasse für sich ist die exzellente Fahrwerksabstimmung des 1,5 Tonnen schweren BMW 328i Touring. Die Zeiten, in denen ein Dreier nur sportlich und straff unterwegs war, damit die einen beeindruckte und die anderen verschreckte, sind lange vorbei. Gerade mit der adaptiven Dämpfereinstellung (1.100 Euro) hat der Fahrer alle Möglichkeiten zu reisen, wie er es möchte. Die Lenkung ist klasse, könnte jedoch noch einen Hauch direkter sein. Das Fahrverhalten dagegen: nahezu perfekt.