Quadratisch. Praktisch. Gut?

Der Kangoo ist ein Spaßmobil. Nicht, weil er selbst beim Fahren üppig Spaß bereitet. Sondern weil man in ihm alles transportieren kann, was am Fahrziel Spaß bereitet: ob Familie oder Freizeitausrüstung. Oder beides.

Es gibt Autos, denen schaut niemand mit verklärtem Blick hinterher. Die sorgen nicht für feuchte Hände oder erhöhte Herzfrequenz. Aber sie liefern trotzdem Gesprächsstoff. Abends beim Italiener zum Beispiel, der auf der Suche ist nach einem praktischen Lastenesel, mit dem er morgens zum Großmarkt fahren kann und am Ruhetag inklusive Familie zum Mountainbiking. Oder auf dem Ikea-Parkplatz, wenn der Nachbar neidisch zuschaut, wie ein halbes Appartement zwischen Hecktüren und Rückbank verschwindet. Autos wie der Kangoo von Renault sind nicht gerade schön - aber zugegeben praktisch. Als reines Nutzfahrzeug ist der Kangoo schon länger unterwegs - als relativ preiswerte Familienkutsche nicht ganz so lange. Das bisher letzte Facelift hat ihn Anfang 2011 auch optisch noch einmal aufpoliert. Die Formen wirken klarer, etlicher Schnickschnack an der Karosserie ist dem Radiergummi der Designer zum Opfer gefallen. Mit 4,21 Meter Länge ist der Kangoo genauso lang wie ein VW Golf, dafür mit 1,83 Metern etwas breiter. Zum idealen Packesel macht ihn aber vor allem seine Höhe: 1,84 Meter. Entsprechend riesig die Lademaße: Schon bei normaler Bestuhlung schluckt der Kangoo 438 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es bis zu 1977 Liter. Bis zu 530 Kilogramm lassen sich darin unterbringen.

Praktische Schiebetüren

Klingt üppig. Andere könne es allerdings noch besser. Fiat zum Beispiel mit dem Doblò: Der ist fast 20 Zentimeter länger, schluckt aber gleich auch zwischen 790 und 3200 Liter an Ladung. Oder der Caddy von VW: In den lassen sich bis zu 4200 Liter Ladung verstauen. Und der Citroën Berlingo schluckt zwischen 675 und 3000 Liter. Immerhin ist der Laderaum im Kangoo ganz praktisch: Die Ladehöhe ist niedrig, ein Einkaufswagen etwa lässt sich fast bis zur Hälfte hineinschieben und so bequem umladen. Die beiden asymmetrisch geteilten Hecktüren klappen zu den Seiten hin auf - nicht immer optimal beim engen Parken am Straßenrand. Zudem machen sie einen nicht gerade vertrauenerweckenden Eindruck: Satt ins Schloss fallen klingt anders. Entsprechend zwiespältig auch der Eindruck, den der Innenraum hinterlässt. Vor allem das Hartplastik, aus dem das Armaturenbrett geformt ist, wirkt billig. Immerhin dürfte es sich einfach reinigen lassen. Vieles - wie die Mittelablage, auf der die Armlehne ruht - macht zudem einen etwas wackeligen Eindruck.

Das TomTom-Navi, dessen Bildschirm in einem tiefen Schacht auf der Mitte des Cockpits thront, wird wie ein TV-Gerät über eine Fernbedienung eingestellt, die an der Mittelkonsole klemmt. Das ist - zumindest - gewöhnungsbedürftig. Immerhin erleichtert Renault das Familienleben an Bord etwas. Zum Beispiel mit viel Platz selbst in der zweiten Reihe. Oder mit reichlich Ablagen, für die Kids auch im Boden vor der Rückbank oder im hohen Dachhimmel. Oder mit einem zweiten Rückspiegel, mit dem man die Bande im Nacken ständig unter Beobachtung halten kann.

Kleiner Nagler

Die Sitze selbst machen einen strapazierfähigen Eindruck und bieten ausreichenden Komfort auch für längere Strecken. Der Seitenhalt taugt nicht gerade für lustvolles Tanzen über Serpentinen - für den Alltag aber allemal. Dazu kommt eine auch auf rauen Straßen komfortable Federung. Mehr Präzision könnte die Lenkung vertragen. Mit seinen fünf Gängen dagegen kommt der Kangoo ganz gut klar. Sie sind gut auf den Motor abgestimmt und sorgen auch im Stadtverkehr dafür, dass man nicht übermäßig in der Schaltkulisse zugange sein muss. Praktisch sind die beiden seitlichen Schiebetüren. Die hakeln zwar vor allem beim Schließen etwas, bewähren sich aber schnell in engen Parklücken und bieten einen bequemen Einstieg in die zweite Reihe. Weniger praktisch: Die Kappe des Benzintanks muss extra mit dem Zündschlüssel entriegelt werden, bevor man sie abnehmen kann.

Unter der kurzen Fronthaube des Testwagens arbeitet ein Diesel mit 1461 ccm Hubraum. Der kleine Nagler ist akustisch zwar allzeit präsent, wird aber allenfalls bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn wirklich nervig. Er liefert 66 kW/90 PS und ein maximales Drehmoment von 200 Nm an die Fronträder.