Spielzeug für Asphalt Cowboys

Der koreanische Geländewagen-Spezialist Ssangyong will mit dem Actyon Sports die Pick-up-Front aufmischen. Hat das Arbeitstier das Zeug dazu?

SUV? Das war gestern. Heute reden wir über einen \"SUT\", einen \"Sport Utility Truck\" oder einfach Pick-up. Doch bevor die Marketingdeutsch-Fans in Verzückung geraten, schauen wir uns den Protagonisten Ssangyong Actyon Sports einmal genauer an. Schließlich soll das Arbeitstier die Präsenz des koreanischen Herstellers hierzulande weiter ausbauen.

Herber Auftritt

Da kommt so ein markanter Imageträger gerade recht. Im Gegensatz zu den USA, wo Pick-ups den Ruf eines Arbeitsgeräts haben, nennen hierzulande gerne Individualisten die brachialen Pritschenwagen ihr eigen. Jetzt will der Actyon im Revier von Mazdas BT 50 und des Deutschland-Platzhirschen Amarok wildern. Doch mit einer Länge von 4,99 Meter ist der Koreaner schon mal 26 Zentimeter kürzer als der Deutsche und acht Zentimeter kürzer als der Japaner.

Das Design kann sich sehen lassen und hat nichts mehr von dem barocken Charme des Rexton oder des unmittelbaren Vorgängers. Die konturierte Motorhaube und die kantigen Scheinwerfer gewinnen vermutlich keinen Red-Dot-Award, können sich aber durchaus sehen lassen und passen zum herben Auftritt des Korea-Cowboys.

Ordentliche Verarbeitung

Einmal im Actyon Sports Platz genommen, kommt aufgrund der ziemlich hohen Sitzposition echtes Kutschbock-Gefühl auf. Da passen dann die kurze Beinauflage und der kaum vorhandene Seitenhalt der Sitze dazu. Aber ein Pick-up ist nicht für das Kurvenräubern gedacht, das wäre mit der sehr indirekten Lenkung, bei der man sich bisweilen eine Buskurbel wünscht, auch schwer möglich. Seine Stärke ist der Ritt durch das Gelände oder entspannte Gleiten über den Asphalt. Dafür reicht auch der Heckantrieb. Ist Traktion gefragt, kann der Fahrer die zwei Vorderräder dazuschalten oder gar eine Untersetzung wählen.

Der 155-PS-Zwei-Liter-Diesel hebt sich dank der 360 Newtonmeter an dem Zwei-Tonnen-Gefährt keinen Bruch. Mit 172 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit ist man schnell genug unterwegs. Allerdings sollte man zur Handschaltung greifen, da die etwas lethargische Automatik dem Actyon das Rest-Temperament raubt. Der Durchschnittsverbrauch ist mit 7,5 Litern noch im Rahmen des Erträglichen. Auch die Verarbeitungsqualität kann sich sehen lassen, auch wenn sie nicht die Wertigkeit hiesiger Premiumprodukte erreicht. Muss sie bei einem Einstiegspreis von 19.990 Euro für den reinen Hecktriebler auch nicht. Die Hartplastik-Landschaft trübt etwas den Eindruck der sportlich rot hinterlegten Rundinstrumente. Immerhin ist die Armaturenfläche unterschäumt.

Dazu kommt der Raum. Auch hinter dem Fahrersitz findet man als Erwachsener Platz. Auf langen Reisen wird es aber dann doch etwas ungemütlich. Die Ladefläche ist mit 2,02 Quadratmetern auch groß genug. Die Quartz-Ausstattung des getesteten Fahrzeugs bietet mit ESP, manueller Klimaanlage USB-Schnittstelle für 25.990 Euro schon einiges, ist zwar kein Schnäppchen. Zum Vergleich ein halbwegs vergleichbarer Mazda BT 50 kostet 29.490 Euro. Vom Amarok Doublecab 2,0 TDI Trendline mit nur 122 PS für 32.778 Euro ganz zu schweigen.