Taumeln vor dem Showdown

Der Pariser Autosalon ist die wichtigste europäische Automesse des Jahres. Peugeot, Citroen und Renault taumeln vor dem Heimspiel im Herbst.

Vor der Pariser Motorshow geben die französischen Autobauer ein wenig erfreuliches Bild ab. Immerhin: während PSA Peugeot Citroën herbe Verluste hinnehmen muss, bleibt Renault-Nissan noch in der Gewinnzone. Die Gründe für diese auseinanderdriftende Bilanz sind hausgemacht. Besonders Peugeot / Citroen hat den Trend verpasst, die internationalen Märkte zu erobern. Allein Europa stand bei den Produktplanungen im Fokus. Das rächt sich schmerzhafter denn je.

Höherpositionierung als Boomerang

Eigentlich sind den Franzosen ihre Sommerferien heilig. Dementsprechend freut sich das ganze Land auf die alljährliche Sommerfrische im August. Doch in der Konzernzentrale des PSA-Konzerns in Paris herrscht momentan Winter-Depression. Kein Wunder bei den Zahlen, die PSA-Chef Philippe Varin unlängst präsentieren musste: Im ersten Halbjahr hat Peugeot-Citroën 819 Millionen Verlust gemacht und 1,6 Milliarden Autos verkauft. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 806 Millionen Gewinn. Konsequenterweise sank der Umsatz um fünf Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Was noch schwerer wiegt: Pro Monat macht PSA derzeit rund 200 Millionen Euro Verlust.

Zu einem guten Teil ist diese Krise hausgemacht. Während Konkurrenten, wie VW und Toyota sich vor allen Dingen in China ein weiteres wichtiges Standbein aufgebaut haben, setzt PSA zu stark auf Europa, wo rund 60 Prozent des PSA-Umsatzes erzielt werden. Vor allem die Wirtschaftskrise in Südeuropa, einer traditionellen PSA-Verkaufsbastion, setzt den Franzosen mehr denn je zu. In Italien brachen die Verkäufe um 21,5 Prozent ein, auch Spanien und Frankreich sind im zweistelligen Bereich rückläufig. Ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht. Vor allem der gesamte spanische KFZ-Markt schrumpft weiter: Im Juli rutschten die Neuzulassungen um 17,2 Prozent ab. Ein Ende der Krise scheint nicht absehbar. Auch die gewollte Höherpositionierung der Modellpalette erweist sich aktuell als Boomerang. Modelle, wie der Peugeot 508 oder der Citroen C5 schaffen die angepeilten Verkaufszahlen nicht und werden von der deutschen Konkurrenz fast pulverisiert. Da kommt dem überzeugenden Kleinwagen 208 mehr denn je die Rolle eines Heilsbringers zu. Nachdem sich der Vorgänger 207 mit rund 2,4 Millionen Verkäufen mehr schlecht als recht schlug, soll der 208 an den Absatzmarken des 205 (5,3 Millionen) und des 206 (7,8 Millionen) anknüpfen. \"Wenn der 207 nicht einschlägt, schaut es ziemlich düster aus\", orakelt ein führender Peugeot-Mitarbeiter.

Subventionen

Dass dieser radikale Einbruch nicht ohne Folgen bleibt, ist klar: In den nächsten drei Jahren sollen mindestens 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das geht nicht ohne drastische Einschnitte: 8.000 Stellen sollen gestrichen und das Werk Aulnay-saus-Bois bei Paris (dort wird der Citroën C3 gebaut) mit mehr als 3.000 Beschäftigen in zwei Jahren geschlossen werden. Der Kompaktwagen soll dann in Poissy vom Band laufen, da dieses Werk mit der Produktion des 208 nicht ausgelastet ist. Auch beim Werk in Rennes soll die Belegschaft von 5.600 auf 4.200 Mitarbeiter reduziert werden. Die Auslastung der meisten französischen Autofabriken liegt bei kaum mehr als 60 Prozent. In Deutschland liegt die Auslastung zwischen 80 und 95 Prozent - insbesondere bei größeren und somit ertragreicheren Fahrzeugen. Zudem sind die meisten französischen Fabriken in die Jahre gekommen. Unter dem Strich bleibt bei einem produzierten Fahrzeug aus Frankreich einfach zu wenig Geld hängen. Die derzeit umsatzstarken Märkte in den USA, China oder Südamerika lässt PSA bisher nahezu komplett aus.

Derartige Nachrichten kommen bei der Belegschaft nicht gut an. Sofort gingen die Menschen auf die Straße. Die Regierung Hollande versprach zwar dem kränkelnden Riesen unter die Arme zu greifen, wunderte sich aber, wo die Subventionen der letzten Jahre geblieben sind. Immerhin hat der PSA-Konzern in den letzten vier Jahren schon Staatshilfen in Höhe von vier Milliarden Euro erhalten. \"Das ist Geld, das ohne Ertrag verschwunden ist\", sagte Sozialministerin Marisol Touraine. Was erschwerend hinzukommt, ist, dass PSA bereits Immobilien und Tochterfirmen verkauft hat, sonst wäre der Verlust noch höher ausgefallen. Derweil droht weiteres Ungemach. Der französischen Regierung stößt der Kurs des Aufsichtsratschefs des PSA-Konzerns, Thierry Peugeot auf, der das Familienerbe retten will. Zumindest nach Ansicht der Politiker.