Waterworld

Eine Fahrt auf einem der PS-stärksten Jetboote der Welt sorgt für ein völlig neues Geschwindigkeits-Gefühl.

So sieht ein feuchtes Vergnügen der Extraklasse aus. Es hat 260 PS, eine Spitzengeschwindigkeit von 110 km/h und macht bereits nach den ersten Metern süchtig. Jetboote haben besonders bei Männern einen Suchtfaktor - besonders wenn sie derart kraftvoll unterwegs sind. Begriffe wie Trimmklappen, verstellbare Stabilisatoren oder Ansauggitter lassen erahnen, dass die Fliegerei nicht allzu weit von dem entfernt sein kann, was da gleich mit dem SeaDoo RXP-X 260 RS und seinem Piloten passieren wird.

Jetgefühle

Der nach vorn hin schmal zulaufende Rennsitz vereint den Fahrer mit der 3,31 Meter langen und 1,23 Meter breiten Wasserrakete. Die wie eine Nabelschnur wirkende Sicherheitsleine, welche dafür sorgt, dass bei einem unbeabsichtigten "Über-Bord-Gehen" das 368 Kilogramm schwere Ungetüm sofort seinen Vortrieb einstellt, komplettiert die Vereinigung. Bevor jedoch der Rotax 4-Tec-Motor das Blubbern beginnt, kann der in der Branche einzig voll verstellbare Lenker den individuellen Bedürfnissen des Fahrers angepasst werden. Gleichzeitig finden die Füße auf den sich seitlich am SeaDoo befindenden und angewinkelten Keilen im Fußraum Platz. Der leichte Winkel sorgt dafür, dass die Knie eng am Sitz anliegen, was wiederum für eine bessere Kontrolle sorgt. Es kann losgehen.

Sorgen 260 PS bereits bei einem Landfahrzeug für ein Kribbeln in Fuß und Hand, ist dies beim SeaDoo RXP-X 260 RS komplett anders. Denn schon bei der ersten Sitzprobe auf dem ledernen Sitz wird schnell klar, dass der Teil im Gehirn, der für die Vernunft verantwortlich ist, vor lauter Angst an Land geblieben ist. Anders ist das spontane Durchziehen des Gashebels am rechten Ende des Steuers nicht zu erklären. Nach 1,7 Sekunden schwingt die Tachonadel über die 50 km/h-Markierung. Nach weiteren 1,15 Sekunden liegen 80 km/h an. Der Satz "nur Fliegen ist schöner" kann getrost in der Phrasenschublade bleiben, denn es stimmt einfach nicht. Die Kraft, die den Fahrer und einen potenziellen Sozius nach vorn treibt nimmt erst bei Tempo 90 spürbar ab. Um in den Genuss zu kommen, den SeaDoo in den dreistelligen Geschwindigkeitsbereich zu peitschen bedarf es allerdings eines mittelgroßen Sees, einer ruhigen Dünung und dem, was Oliver Kahn einst für seine Mannschaftskameraden forderte.

Ist der einfache Schub nach vorn schon imposant, treiben es die Kurvenfahrten auf die Spitze. G-Kräfte, wie sie in einem Auto kaum erfahrbar sind, zerren an den Armen und dem Rumpf des Fahrers. Wer zu stark einlenkt, dem hilft auch sein Abo im Krafttraining nichts mehr - es geht mit Schwung über Bord. Spätestens nach dem ersten Absitzen weiß jeder, dass Wasser auch schmerzen kann. Eine Besonderheit des Geschosses ist der Hebel am linken Steuerende, denn hier befindet sich die Bremse. Anders als bei den meisten Jetbooten entwickelt der RXP-X 260 RS auf Wunsch einen gewaltigen Gegenschub, so dass bereits nach wenigen Metern die zuvor noch recht unscharf wirkende Umwelt zum Stehen kommt. Nach einer guten Stunde und mindestens einem halb leer gefahrenen 60 Liter-Benzintank gelingt dem einen oder anderen mutigen oder einfach nur wahnsinnigen Jetboot-Dompteur eine 180-, oder sogar 360-Grad-Drehung. Eines ist jedoch sicher: wer bereit ist 17.899 Euro für ein Wasserspielzeug auszugeben, dem sei auch der Spaß auf dem SeaDoo RXP-X 260 RS gegönnt.