Weniger will mehr

BMW wirft derzeit seine gesamte Ausrichtung um. Erst werden Reihensechszylinder von vier Brennkammern ersetzt, dann wankt bei kleinen Modellen Hinterradantrieb und jetzt kommen auch noch Dreizylinder. Kann das gut gehen?

BMW scheint derzeit von allen guten Geistern verlassen. Die jahrzehntelang mühsam aufgebaute Kernkompetenz aus seidigen Reihensechszylindern, Hinterradantrieb und Fahrspaß als oberstes Ziel wird mehr und mehr aufgeweicht. So werden die Einstiegsbenziner der Palette ab 2014 bei BMW 1er und Mini nur noch drei Zylinder haben. \"Die Motoren haben neben Direkteinspritzung und Turboaufladung zunächst 1,5 Liter Hubraum\", so Dr. Bernardo Lopez aus der Motorenentwicklung, \"die Dreizylinder haben in Ansprechverhalten und Charakteristik Ähnlichkeiten mit unseren Sechszylindern.\" Klingt ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, denn die Dreizylinder gelten in der Autobranche bisher als personifizierte Enthaltsamkeitserklärung und waren nur in den müdesten Kisten zu finden, die wenig innovativ vor sich hin ratterten. Ford brach das Siegel auf und bietet einen ein Liter großen Dreizylinder seit einiger Zeit für den Focus an.

Ende 2013 geht es los

BMW zieht in zwei Jahren nach. In einem zweiten Schritt wäre bei Modellen unter 100 PS sogar denkbar, dass der Hubraum von 0,5 Liter je Brennkammer auf 0,4 Liter je Brennraum sinkt und der Hubraum sich auf wenig beeindruckende 1,2 Liter reduziert. Während einige der Konkurrenten ihre Vierzylinder mittlerweile mit einer Zylinderabschaltung kombinieren, setzt BMW auf drei Brennkammern und die Valvetronic für variablen Ventiltrieb.

Die neue Motorengeneration aus München feiert zum Jahresende 2013 in der nächsten Generation des Mini ihre Premiere. Die Modelle bis knapp 150 PS sollen von den Dreizylindern angetrieben werden. Die sportlicheren Modelle ab dem Mini Cooper S bleiben aus Imagegründen bei vier Zylindern. Auch der BMW Dreier bekam in letzter Sekunde vom BMW-Vorstand eine Dreizylinder-Absage. Da man zu große Imageschäden befürchtet, bleibt der betont sportlich positionierte BMW 3er durchweg bei vier und sechs Zylindern. Bleibt nur die Frage wie lange noch, denn auch bei BMW galten Turboaufladungen, weniger als sechs Zylinder und Frontantrieb viele Jahre allenfalls als bemitleidenswert. Doch die Zeiten haben sich geändert. Und um die immer strenger werdenden Grenzwerte zu schaffen, ist den dynamischen Bayern scheinbar nicht mehr viel heilig.

Drehfreudig und brummig

Der Auftakt der neuen Generation von Dreizylindern machen Benzintriebwerke, die mit 1,5 Litern Hubraum ein Spektrum von rund 120 bis 170 PS abdecken sollen. Die Dieseltriebwerke - eng mit den Benzinern verwandt - dürften mit einem ähnlichen Leistungsspektrum gegen Ende 2014 nachgereicht werden. Alle Dreizylinder können durchweg längs und quer in die Modelle eingebaut werden. Zudem sind sie für Front- und Allradantrieb sowie mit Handschaltungen und Automatikgetrieben zwischen sechs und acht Schaltstufen nahezu frei verwendbar. Viele Komponenten ziehen sich bald durch als Motorgenerationen mit drei, vier und sechs Zylindern. Rund 40 Prozent Gleichteile soll es hier geben.

Bei einer ersten Ausfahrt in einem umgebauten BMW 1er schlägt sich der sportlich nachgeschärfte Dreizylinder-Benziner achtbar, hängt gut am Gas. \"Der Motor hat rund 130 Kilowatt und 270 Nm Drehmoment. Wir haben durch die Auspuffanlage einen betont sportlichen Charakter zeigen wollen\", erklärt Dr. Bernardo Lopez, der um die Imageprobleme bei den BMW-Kunden zu wissen scheint. Der Dreizylinder wiegt rund zehn Kilogramm weniger als ein vergleichbarer Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum. Mit den über 180 PS ist der rote BMW 1er flott unterwegs und drehfreudig ist er auch. Der Klang charakterisiert ihn ohne Umschweife als Dreizylinder, doch die Motorvibrationen sind Dank entsprechender Lagerung und einer innenliegenden Ausgleichwelle gering. Ganz wie es beliebt, lässt sich der 1,5 Liter große Dreizylinder hochtourig mit bis zu 6.000 U/min oder betont niedertourig mit kaum mehr als 1.000 Touren bewegen. Die Abstimmung mit dem achtstufigen Automatikgetriebe ist auch in dem Prototypen bereits vorbildlich. \"Wir erwarten beim Serienmodell eine Verbrauchsersparnis von 5 bis 15 Prozent\", so Lopez.