Die Zeit läuft ab

Visionäre Anzeigemodule ziehen in immer mehr Cockpits ein. Waren es einst noch digitale Anzeigen im Radiowecker-Look, so kennen die TFT-Displays von heute und morgen fast keine Grenzen.

Waren das noch Zeiten, als einen die chromumrandeten Runduhren eines Lamborghini 350 GT oder einer 67er Corvette mindestens genauso in ihren Bann zogen, wie Fotos von Marylin Monroe oder Gina Lollobrigida. Und selbst die schnörkellosen Anzeigemodule einer alten Mercedes S-Klasse hatten nicht nur zu ihrer Zeit in den frühen 70ern etwas Einzigartiges. Doch die Zeiten ändern sich. Die Anzeigen für Tempo, Drehzahl, Öldruck, Spannung, Kraftstoff oder Ladedruck springen derzeit ins nächste Jahrtausend - digital.

Start in den 80ern

Einst galt die feste Regel: je mehr Runduhren, desto sportlicher ist das Auto. Früher verzückten Opel GT, Toyota Celica oder Ford Mustang mit einer Batterie von Analoguhren - zumeist rund und zumeist stilsicher. VW Käfer oder Ford Taunus hätten sich einen Drehzahlmesser gewünscht. Doch die visuellen Le-Mans-Gefühle gab es allenfalls für Sportwagen und die Sportmodelle mit dem S oder RS im Signet. Bis heute thronen hinter dem griffigen Dreispeichen-Lenkrad eines Porsche 911 fünf mächtige Runduhren, die den sportlich engagierten Piloten über alles Wissenswerte informieren, was im Motor gerade vor sich geht. Zentral in der Mitte - der Drehzahlmesser. In Zuffenhausen gehen die Uhren eben anders. Doch aus der Runduhr ganz rechts wurde beim aktuellen Porsche 911 wie bei Cayenne und Panamera ein Multifunktionsdisplay für Bordcomputer, Navigation und Soundsystem.

Das Ende der Analoguhren war bereits in den 80ern erwartet worden. Die Idee zahlreicher Autostudien auf Automessen, die Anzeigen über den Betriebszustand des Fahrzeugs ebenso platzsparend wie futuristisch auf digitale Art und Weise ins Cockpit zu bringen, brachte Stilblüten wie den Opel Kadett GSI oder einen Audi Quattro in den Handel. Und selbst beim VW Golf II GTI gab es ein paar Jahre gegen Aufpreis - und als Antwort auf den aufstrebenden Kadett GSI - digitale Instrumente. Doch der Trend wurde zu keiner. Zwar setzten sich kleine digitale Bordcomputer mit Zusatzanzeigen für Reichweite, Motortemperatur oder Durchschnittsverbrauch durch, doch die Hauptinformationen wie Drehzahl, Geschwindigkeit oder Tankvolumen blieben analog.

Informationen gewichten

Bis jetzt, denn in den letzten Monaten scheinen alle Dämme gebrochen. Was mit dem ausgelaufenen Range Rover oder der aktuellen Generation Jaguar XJ eher wenig imposant begann, führen Modelle wie der neue 7er BMW oder ein Volvo V40 die Technik visuell beeindruckend fort. Vorbei die Zeiten, in denen die elektronischen Zeiger des TFT-Displays nicht gleichmäßig über die Displays glitten, wie man es von den alten Runduhren kannte. Immer mehr Hersteller stellen derzeit um auf animierte Cockpits. Kaum ein Automobilzulieferer, der sich nicht mit dem Thema HMI - Human Machine Interface - beschäftigt. So können die Anzeigen auf Knopfdruck komplett frei gestaltet werden. \"Neue Display- und Anzeigetechniken erlauben die Entwicklung von Instrumenten ohne mechanische Zeiger\", erklärt Dr. Michael Bolle, Bereichsvorstand bei Bosch Car Multimedia, \"sie bieten somit vielfältige Anzeigemöglichkeiten zur Darstellung fahrrelevanter Informationen.\"

Hier den Tacho, dort den Drehzahlmesser und die beim Abbiegevorgang größer werdende Navigationskarte, die den Kreuzungsbereich in den Fokus des Fahrers rückt. Nachtsichtassistenten, aufwendige Bedien- und Konfigurationsmenüs tun sich mit einem variablen TFT-Bildschirm ebenfalls deutlich leichter. Dr. Michael Bolle: \"Wir arbeiten auch an der Entwicklung von 3D-Displays und 3D-HMI-Lösungen, die das Fahrerlebnis durch eine moderne Darstellung auf Basis räumlicher Effekte deutlich aufwerten.\"